Definition

Adipöse Menschen leiden häufig in doppelter Hinsicht unter ihrem erhöhten Körpergewicht. Einerseits führen das Übergewicht selbst und medizinische Folgeerkrankungen zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Andererseits birgt die Tatsache, dass Übergewicht und Adipositas mit einem gesellschaftlichen Stigma belegt sind, ein erhöhtes Leid. Als Stigma wird eine Eigenschaft bezeichnet, die einen Menschen von anderen unterscheidet und die eine Abwertung beinhaltet. Stigmatisierung beinhaltet Stereotypen, Vorurteile und Diskriminierung. Stereotypen sind negative Meinungen über eine Gruppe wie adipöse Menschen. So wird adipösen Menschen beispielsweise folgendes zugeschrieben:

Negative Stereotypen bei Adipositas

Negative Stereotypen bei Adipositas

 

Nur wenige Stereotypen sind positiv: So gelten adipöse Menschen beispielsweise als gemütlich, humorvoll und fröhlich. Das Gros der Stereotypen ist jedoch negativ.

Wenn jemand solchen Stereotypen zustimmt, entstehen Vorurteile, die auch negative emotionale Reaktionen auf adipöse Menschen beinhalten. Außerdem kann es aufgrund gewichtsbezogener Vorurteile zu einer tatsächlichen Ungleichbehandlung adipöser Menschen kommen. Man spricht dann von Diskriminierung (s. Abbildung).

Formen von Stigma (nach Corrigan, 2005)

Formen von Stigma (nach Corrigan, 2005)

 

Wie die Formen von Stigma zusammenhängen können, illustriert das folgende Beispiel:

 

Stigmatisierung erfolgt, wie beschrieben, dabei zum einen öffentlich. Zum anderen teilen viele adipöse Menschen die gewichtsbezogenen Vorurteile und stigmatisieren sich selbst (s. Abbildung Formen von Stigma). Diese Selbststigmatisierung oder Internalisierung des Adipositasstigmas beinhaltet, dass adipöse Menschen sich selbst aufgrund ihres Übergewichts abwerten und ein benachteiligendes Verhalten gegenüber sich selbst zeigen, z. B. wenig aktiv Hilfe für die Adipositas suchen. Darüber hinaus finden sie im Gegensatz zu anderen stigmatisierten Gruppen, wie z. B. Afro-Amerikanern, wenig Unterstützung unter ihresgleichen.